Freitag, 19. September 2008

Nummernschilder, Einkaufswagen und Bowling in Britannien

So, ich denke es ist mal wieder an der Zeit etwas über die Gepflogenheiten und kuriosen Eigenartigen des britischen Völckchens zu erwähnen.

- Starten wir gleich mal mit dem Verrücktesten, wie ich finde: die Sache mit den Nummernschildern. Okay, klingt langweilig, ist es aber nicht. Normalerweise ist das System der Kennzeichen so geregelt: "Die ersten beiden Buchstaben geben die Region der Zulassung an. Danach folgt eine zweistellige Nummernkombination, die das Jahr der Zulassung bedeutet, z.B. "02" steht für März 2002, und 77 steht für September 2027. Als dritten Teil des Schildes gibts dann eine dreistellige zufällige Buchstabenkombination." Diese Nummernschilder werden dann einem Auto zugeordnet, welches das Schild dann sein Leben lang behält, auch bei Verkauf. Okay, das war jetzt der essentielle formale Teil, jetzt wirds spannend: Ähnlich wie in Deutschland auch, kann man sich auch in England bestimmte Zahlenkombinationen kaufen. Diese behält man dann sein Leben lang, egal ob man den Wohnsitz oder das Auto wechselt. "Die Preise schwanken dabei ganz erheblich, aber, je weniger Buchstaben oder Zahlen, desto teurer. Und wenn ich sage teuer - we’re talking serious money, big time. Eine einfache personalised number plates Kombination, die sagen wir mal so aussieht: Buchstabe + Zahl + dreistellige Initialen geht für zwischen £200 und £600 über den Tisch, je nach Kombination. Wenn der Buchstabe ein A und die Zahl eine 1 ist, wirds natuerlich schon erheblich teurer. Beispiele fuer Preise folgen: AI MAT = £ 3,300; 2 AFF = £10,200; 1 MPW = £ 22,000; 1 OO = £ 60,500 Dabei reden wir noch nicht mal über die kürzesten Kombinationen wie 1 P oder 3 F. Solche Schilder sind bis zu £100.000, in Worten einhunderttausend Pfund oder mehr wert. Noch Fragen? Wann immer man also in Kensington, Mayfair oder auf der New Bond Street einen "Roller" (charmante altmodische Kurzform für Rolls Royce) sieht, der eine solche Kombination hat, weiss man nun, dass man nur das Nummernschild verscherbeln muss, um sich ein wirklich gutes Auto zu kaufen. Übrigens ist die Kombination 888 plus ein Buchstabe nicht verkäuflich und unglaublich viel wert. Die 8 ist eine Glückszahl in China, und sämtliche in England zugelassenen Autos mit dieser Kombination gehören genau einer Familie, welche in London einen Wohnsitz hat. Und ich werde den Teufel tun und hier erzählen, wer das ist..." (Der Text in Anführungszeichen ist ganz bösartig von folgender Website kopiert, besser hätte man es eben nicht ausdrücken können: http://www.londonleben.co.uk/london_leben/2004/02/number_plates.html also wer noch mehr wissen will...^^)

- Heute beim Einkaufen sind mir wieder einige Dinge aufgefallen, die sich von Deutschland unterscheiden. Als ich gerade auf dem Weg war, mir einen Einkaufskorb zu schnappen, hab ich mich dabei erwischt, nach einem Chip für den Wagen zu suchen. Ha, brauchste ja gar nicht! Sie funktionieren komplett ohne Pfundmünzen oder eben diese lästigen Einkaufschips, die man eh immer nur überall verliert und vergisst. Stattdessen haben die Körbe wohl eine automatische Bremse oder Blockade eingebaut, die verhindert, dass man sie vom Grundstück transportiert. Zumindest deuten rote Hinweisschilder in den Innenseiten darauf hin, die einem mitteilen, dass das Gefährt automatisch beim Befahren einer roten Linie stoppt. Diese rote Linie hab ich zwar noch nicht gefunden (die Straßen hier sind so bunt, da fällt die wohl nicht auf), dennoch finde ich diese Methode wesentlich effektiver. Denn wer würde sich wegen einem Euro im Wagen daran hindern lassen, ihn zu klauen wenn er ihn unbedingt will?!

- Das Zweite, was mir heut auffiel ist, dass die Kassen zu 90% mit Indern besetzt sind. Nicht nur in Tesco, sondern auch in Lidl und was man nicht noch so kennt. Wahrscheinlich sehr begehrte Jobs. Aber egal ob Brite, Inder oder Asiat- die Kassierer lassen sich extrem viel Zeit. Alles wird seelenruhig übers Band gezogen und wenn man es verlangt, packen sie sogar die Einkäufe in Plastiktüten. Nichts erinnert an die Hektik der Kauflandkassierer, die jeden fix abfertigen müssen. 

- Briten sind nicht auf den Kopf gefallen- und schon gar nicht wenn es darum geht, sich eine Beschäftigung auszudenken. Wahrscheinlich war es eine Idee spät Abends in einem Pub, die sich dann zu einem traditionellen irischen Sportereignis entwickelte: Irish Road Bowling. Der ganze Spaß funktioniert folgendermaßen: Die Spieler (hauptsächlich Einzelgegner), werfen eine 800g schwere Bowlingkugel auf einem Landstraßenkurs entlang, der sich bis zu 4 km hinziehen kann. Jedes Mal, wenn die Kugel anhält (dabei ist es vollkommen egal, ob sie sich da gerade auf der Straße, einem Feld oder einer Weide befindet), wird eine Markierung, wenn möglich mit Kreide, gezogen. Von dort aus startet der nächste Wurf. Dabei gewinnt derjenige, der die wenigsten Würfe zum Ziel brauchte. Erreichen beide Spieler das Ziel mit der gleichen Anzahl von Würfen, gewinnt der, dessen Kugel am weitesten hinter der Linie liegen bleibt. Dieses Spiel wird normalerweise zwischen 2 Parteien ausgetragen, denen aus dem Norden und denen aus dem Süden, bzw Südwesten und sorgt für mächtige Zuschauermassen, die traditioneller Weise während des Spiels Wetten abschließen. Für mehr Informationen: http://www.fergalcarr.com/video.html (Verzeihung: Irland gehört ja gar nicht zu Großbritannien- ich hoffe, ihr könnt es mir noch einmal nachsehen^^)

- Ach und... hab ich eigentlich schon erwähnt, dass der Spiegel, der in meinem Zimmer hängt, nicht ganz auf Personen meiner Größe ausgelegt ist? Wenn ich davor stehe, seh ich alles sehr gut... bis mein Hals aufhört und mein Kopf anfängt. Das passt nicht mehr mit drauf, also verbeuge ich mich jetzt immer lustig, wenn ich meine Haare mache oder mein Gesicht aus anderen Gründen im Spiegel angucken will (oh weh!).

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