Ich hoffe ihr hattet bzw. habt alle schöne Ostern und nichts hinter einem Grasbüschel übersehen und liegen lassen.
Meine Pläne am Samstag haben sich dann doch nicht so durchgezogen, wie gedacht. Maria hatte sich gegen 2 noch nicht gemeldet und da ich mindestens bis um 4 gebraucht hätte, am vereinbarten Ort zu sein (die Umleitung in Wimbledon macht mich noch wahnsinnig!), haben wir das ganze dann letztendlich auf unbestimmte Zeit verschoben. Dadurch hatte ich dann Zeit meinen Plan durch zu ziehen, mal mit dem Bus mit dem ich immer fahre (und der auch der Einzige ist, der hier fährt) bis an die andere Endhaltestelle zu fahren. Also praktisch von Kingston nach "Streatham Hill" bzw. "Clapham Park". War gespannt, wo ich landen würde, hab mir meinen IPod mitgenommen und die Fahrt vom obersten Deck beobachtet. Nach ca. einer Stunde oder noch etwas längerer Zeit wurde dann die Endhaltestelle angesagt und ich stieg aus. Und wo war ich gelandet? Im Nichts. Na ja, nicht ganz... Es gab schon Läden und Menschen, nur die richtige Zivilisation war das nicht. Ich hatte mir ausgemalt, an die gegenüberliegende Haltestelle zu laufen, wieder einzusteigen und gut ist. Nur kams eben nicht so, wie gedacht- natürlich nicht. An diesem Busstop waren Bauarbeiten und es waren einige Straßen genannt, an denen man in den Bus einsteigen kann. Ohne jegliche Ortskenntnis allerdings recht nutzlos...
Ich hab dann versucht, den Weg zurück zu konstruieren, was sich allerdings als recht schwierig gestaltete, da ich hinter 3 riesigen Kreuzungen stand. Außerdem hatte ich auf dem Weg nicht einberechnet, dass ich den wieder zurückfinden muss, dementsprechend war meine Auffassungsgabe eher begrenzt.
Nun gut, ich testete also 3 Straßen aus, die 4. nahm ich dann und lief sie entlang. Immer wieder Bushaltestellen mit meiner Busnummer drauf, allerdings nicht intakt. Ja und so lief ich eben, teilweise war mir recht mulmig zu Mute. Erstens kamen mir ausschließlich Schwarze oder Frauen mit Kopftuch entgegen, was ja an und für sich nicht so schlimm wäre und ich jetzt auch nicht rassistisch sein will. Aber bei der extrem unordentlichen Umgebung, den einsturzgefährdeten Häusern am Wegesrand und nach einigen Aufmerksamkeitshupen und Rufen aus Autos an mich, hab ich dann doch beschlossen, meinen Schritt zu beschleunigen. Dabei aber natürlich immer so zu tun, als wüsste ich genau wohin ich laufe und keines Falls Unsicherheit zeigend :D
Irgendwann kam ich dann auch wieder auf befahrenere Straßen und konnte irgendwann endlich einen Bus finden, der zu einer Station fuhr, die ich auf dem Hinweg auch entlang bin- endlich! Mittlerweile wurde es dunkel, ich bin glaub ich nicht ganz eine Stunde herumgeirrt. Nach 2 Mal umsteigen war ich dann endlich gegen 9 Uhr zu Hause- das sich das so hinzieht hätte ich auch nicht gedacht (5.50 bin ich losgefahren).
Mich über meine eigene Dummheit ärgernd hab ich dann beschlossen, solche Aktionen in Zukunft sein zu lassen, zumindest wenn ich allein unterwegs bin.
Am nächsten Tag, Sonntag, bin ich recht früh aufgewacht, auch wenn ich erst gegen 2 eingeschlafen bin. Hatte noch einiges zu bügeln und wollte insgesamt auch ein bisschen Ordnung machen.
Bis 4 Uhr war ich dann allein, dann kamen Francesca und Michael wieder. Wir haben zusammen schon den Tisch gedeckt und einiges vorbereitet, eh sie die Kinder, Giulia und ihre Cousine Zoe, vom Flughafen abgeholt haben. Als sie dann kamen haben wir gegessen und die Kinder haben die von mir versteckten Eier gesucht. Scheinbar war ich ganz gut, sie waren lange beschäftigt.
Abends kam Giulia dann noch an und gab mir ein kleines Set aus Bleistiften, Spitzer, Radiergummi und Lineal aus dem Urlaub als Ostergeschenk. Ich finde das ja sooo süß, dass sie an mich gedacht hat, gleichzeitig macht es mir aber immer mehr Sorgen, dass ich ja bald wieder geh und sie wieder eine Bezugsperson verliert. Aber dazu gleich mehr...
Heute Morgen sind sie dann alle nach London reingefahren, um Zoe die Stadt zu zeigen. Ich hab entschieden hier zu bleiben und bin so um die Mittagszeit zum Richmond Park gefahren. Hab auf dem Weg wieder einige Arbeiter gesehen u.a. auch so nen sehr südländisch aussehenden "Laubbläser", der sich mit seinen Kollegen ca. ein Mal pro Woche um die Sauberkeit der Straßen und die Beseitigung der Blätter kümmert. Ein scheinbar recht netter Typ, der, bei meinem Glück kein Spanier, sondern illegaler Einwanderer aus Mexiko ist, haha.
Im Park wars richtig schön, heute hat sich endlich mal die Sonne wieder blicken lassen und die Hirsche, die dort frei rumlaufen, haben sich gefreut.
Dann hab ich nicht mehr sonderlich viel gemacht, gelesen, gestickt, gerätselt, gerechnet... was man eben so macht.
Als sie dann wieder kamen, haben wir uns auch wieder ums Essen gekümmert (oh je, wenn ihr das lest, denkt ihr doch sicher, es dreht sich hier alles nur ums Gefuttere...) und einen schönen Abend gehabt. Ach, es ist momentan alles so harmonisch hier, irre.
Wir reden über vieles, diskutieren, vergleichen, lachen- einfach schön.
Und dann sagt mir Francesca, dass sie jetzt ein Datum haben, wann sie in den Sommerurlaub und ich nach Hause fliegen sollte.
Sind ab heute ein bisschen weniger als 3 Monate, die mir hier noch bleiben und meine Torschlusspanik vergrößert sich. Irgendwie hab ich Angst, was zu verpassen, etwas nicht zu schaffen, keine Ahnung... Und was dann in Deutschland kommt, sind die Sorgen und das Bangen um die Studienplätze, eine ewig lange Zeit der Ungewissheit... ach je. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, natürlich freu ich mich auch, wieder richtig am heimatlichen Leben teilnehmen zu können! Aber es ist eben doch eine Menge, was ich dann hier zurücklassen werde.
Nun gut, ich hab noch 3 Monate und die gilt es zu nutzen! Ich werde mich morgen gleich mal daran machen und mit den Kindern in einen Erlebnispark fahren und mal schauen... vielleicht fahr ich das erste Mal Achterbahn :D
Gute Nacht!