Eigentlich hätte ich heut kaum was zu schreiben...
... doch das wäre ja langweilig. Also musste wieder was schief laufen, um dieses Textfeld hier zu füllen... tataa. Ich bin schön ganz normal gegen 4 Uhr nach London zuerst mit dem Zug, dann mit der Underground, reingefahren und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich die Thames (Themse) sah. Ich steig also aus der U-Bahn aus, geh auf die Straße und denke sofort "Ich bin da!". Ich bin angekommen- in London, in Großbritannien, ich bin ein kleiner Teil der Metropole, ich laufe durch die Straßen wie Millionen vor mir und nach mir, ich rieche Düfte aus Cafés und Parfums von vorbeieilenden Menschen, ich schau mir die Fensterläden an und beobachte das hektische Treiben auf den großen und kleinen Wegen und... ich finds toll. Ich benötigte ein paar Minuten, um das Gefühl richtig auszukosten und schlich langsam durch die Gassen, tief einatmend, mit großen Augen guckend und grinsend. Als ich mich wieder gefangen hatte, kamen meine weiblichen Instinkte wieder durch und ich ging gleich in die nächstbesten Läden um sie auszukundschaften. Mein Geiz lies mich aber mein Geld für mich behalten. Als ich auf die Uhr schaute, sah ich, dass in 1 1/2 Stunden das Pub Meeting sein sollte und ich beschloss, mich erst mal auf den Weg dorthin zu begeben um dann auch zu wissen wo es ist und um nicht zu spät zu kommen. Nachdem ich einen Arbeiter nach dem Weg gefragt hab, lief ich an der Promenade der Thamse (wenn man das so sagen kann) entlang und stellte fest: Es gibt (fast) nichts schöneres als einen Spaziergang an eben diesem Fluss mit dem London Eye und dem Big Ben im Rücken und Damien Rice im Ohr. Diese Atmosphäre war unschlagbar. Ich hab mich richtig wohl gefühlt. Und gegrinst.
Mit dem Erkunden der Gegend und dem Betrachten einiger Läden hab ich dann die Zeit herum gebracht und kam schließlich kurz nach 5 im Pub an, in dem das Meeting statt finden sollte und dachte ein zweites Mal "Ich bin da!"- Wer noch?
Hm, ich bin hereingegangen und hab nach jemandem Ausschau gehalten, der so aussieht, als würde er es organisieren (mein Ansprechpartner der Organisation versprach, dass eben so jemand vor Ort wäre). Leider aussichtslos... Da war niemand, absolut niemand der den Anschein machte, was mit Au-Pair am Hut zu haben. Nach einer Weile des Rumlaufens im Pub (das Grinsen war längst verschwunden) kam ich mir echt blöd vor und hab beschlossen, mir erstmal nen Kaffee dort zu gönnen. Vielleicht taucht ja jemand auf... Als ich dann so da saß, Kopf in den Händen und Ärger im Kopf, tauchte tatsächlich jemand auf, der mit seiner Glatze und seinen Tattoos auf den Armen allerdings nicht sehr wirkte, als sei es einer der, die ich erwartete. Nach kurzem Smalltalk über meinen deprimierten Ausdruck wollte er mir ein Bier ausgeben. Warum nicht... hab ja eh nix zu tun. Also gut, dann eben so. Während meines Bieres erfuhr ich allerdings, dass dieser Jemand (24 Jahre alt) nicht ganz so sauber war, wie sein kahlrasierter Kopf den Anschein machte... Stammt aus Polen, hatte dort Probleme mit der Polizei, scheinbar nach London geflüchtet, Kopie des Passes seines Bruders in der Tasche, da er zu viel Ärger mit den Ämtern hatte, ... Ich denke die Ausführung reichte. Jedenfalls schien er sehr stolz auf seine Vergangenheit zu sein und sicher muss er sich auch gefühlt haben. Welcher Polizeigesuchte (ich nehms einfach mal an, dass er einer ist) erzählt sonst jemand wildfremden seine Lebensgeschichte? Scheint so, als hätte ich aus unerklärlichen Gründen eine Anziehung auf solche Freaks, die Probleme mit der Polizei hatten/haben oder im Knast saßen. Halleluja.
Ich klammerte meine Tasche immer fester und kippte mein Bier hinter. Sein schlechtes Englisch machte die Konversation halbwegs ertragbar, da er alles tausend Mal wiederholte und die Zeit dadurch vorrüber ging. Na ja, nachdem er mir stolz erzählte, dass Marihuana sowas wie sein zweites Ich sei, wollte er meine Handynummer. Die Story a la "ich hab kein Handy" wollte er mir nicht abnehmen (sollte man ihm eigentlich anrechnen, dass er noch so viel Intelligenz besaß), also tippte ich eine willkürlich ausgedachte Nummer in sein Handy ein und hoffte, dass er sie nicht sofort versuchte anzurufen. Tat er nicht- gut.
Irgendwann konnte ich mich dann mit den Worten "Kannst mich ja anrufen." verabschieden und konnte nicht verhindern zu kontrollieren, ob mein Geld noch an Ort und Stelle in meiner Tasche war. Alles okay, gut. Nun, 20:30, die Stadt wird dunkel, das Nachtleben beginnt und ich steh mitten drin und weiß nicht wohin. Okay, es gab nur eine Richtung und die war "weg vom Pub", also entschied ich mich, dieses Gefühl von vorhin wieder aufleben zu lassen.
Ich lief auf eine Brücke, Waterloo Bridge, die den wohl besten Ausblick über ganz London bietet- zumindest kam es mir in dem Moment so vor. Der Wind bließ heftig, als ich am Geländer stand und auf die Thamse und sämtliche Touristenattraktionen, Bankgebäude etc. schaute, während Damien Rice meine Ohren mit den Klängen berauschte, die wohl am besten in diese Situation passten. Es war einfach der Wahnsinn. Die vielen Lichter... unbeschreiblich. Und ich möchte behaupten, dass die Gänsehaut, die ich hatte, nicht von der Kälte kam. Ich lief also die gesamte Brücke entlang- im Schneckentempo um es zu genießen ;)- und lies mich von vielen hektischen und gestressten Menschen überholen. Gewöhnt man sich etwa an so einen Anblick? Wahrscheinlich schon... leider.
Als ich auf der anderen Seite des Flusses ankam, entschied ich den Weg zu meiner U-Bahn Station dort zurückzulaufen. Am Ufer standen viele Bänke, erste Clubs öffneten und einige Bars hatten Gäste, die draußen ihren Drink zu sich nahmen. Ich beschloss, mich auf eine der Bänke zu setzen und eine der kostenlosen Zeitungen zu lesen, die in London verteilt werden. Doch nach 2 oder 3 Seiten bemerkte ich einen kleinen Buchladen unweit von mir, der noch geöffnet hatte. Ich ging rein und kaufte, unvernünftig wie ich war (/bin), das erste Buch der Twilight-Serie auf Englisch (logisch... haha). Sicher, es ist hier teurer als in Deutschland und sicher, ich habs auf Deutsch schon soo oft gelesen in der kurzen Zeit, in der ich es hatte und sicher, ich hätte in anderen Buchläden Rabatte bekommen- aber in diesem Moment musste es so sein. Ich wollte mir wenigstens ein kleines Erfolgserlebnis gönnen und im Nachhinein beruhige ich mein Gewissen mit dem Gedanken, dass ich das Geld fürs Buch auch im Pub ausgegeben hätte. :) Ich nahm also mein neuerworbenes Stück, setzte mich wieder auf die Bank, die ich eben verlassen hatte und schlug sofort mein Lieblingskapitel auf. Ich begann es zu lesen, bis mich nach ca. 20 Seiten eine hinter mir vorbeifahrende U-Bahn darauf aufmerksam machte, dass ich auch irgendiwe wieder nach Hause zurückkommen müsste. Ich lief also auf einer Fußgängerbrücke zurück auf die andere Seite des Flusses und stieg in meine U-Bahn, dann in meinen Zug und letztendlich in meinen Bus. Und nun sitze ich hier. Welch Tag...!
3 Kommentare:
Und was war jetzt mit dem Au-pair treffen? Falscher tag, falscher Pub, falscher Ort oder falsches Land? ^^
Es macht sehr viel Spaß deine Texte zu lesen!
Hdgdl
Oi, das ist ja doof gelaufen mit dem Pub...noch ein Termin, der dann irgendwie nicht das war, was er sein sollte :- /
Aber schön, dass du trotzdem so viel Spaß in London hattest und dich dort so wohl geefühlt hast. Und du schreibst so schön...ich stand praktisch mit dir auf der Thames-Promenade... ^^
"Scheint so, als hätte ich aus unerklärlichen Gründen eine Anziehung auf solche Freaks, die Probleme mit der Polizei hatten/haben oder im Knast saßen. Halleluja."
Hehe...
Hehehehe...
ja, muss man sagen: Scheint so. Ich denke da an einen Jemand, vor dem wir mehr oder weniger erfolgreich flüchten konnten ^^
Übrigens habe ich mir den ersten Band jetzt auch auf englisch zugelegt. Ich warte schon sehr gespannt auf die Post, die mir doch hoffentlich dies Büchlein so bald wie möglich schicken wird...
Liebe Grüße und morgen ebensoviel Glück wie heute,
lisa.
erstmal danke an euch beide :)
@ jule: hab heut ne mail bekommen von meinem typ da von der organisation, er hätte mir angeblich paar tage vorher ne mail schicken wollen, dass das treffen am mittwoch statt am donnerstag is. tja, hat er aber nicht...
@ lisa: wir sind erfolgreich geflüchtet würd ich sagen... immerhin fiel die bootstour mit ihm ins wasser und das war doch das ziel, nich?! ;)
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