Manchmal wünsche ich mir, dass mein Image nicht ganz so wahr wäre... Dabei fing der Morgen doch ganz gut an.
Ich hab Guilia halb 7 geweckt und ihr das Frühstück gemacht, sie war echt extrem aufgeregt. Nachdem sie ordentlich gegessen hatte, wurde sie in den nächsten Minuten von ihrem Vater (wie sie es wünschte) zur Schule gefahren. Ich hab mich an die Hausarbeit gemacht und wollte anschließend mit dem Opa zu Tesco fahren, d.h. ich sollte fahren. Ist mittlerweile kein Problem mehr, der Weg ist nich kompliziert und es dauert auch nicht sonderlich lang, eh man da ist. Auf dem Rückweg allerdings meinte er, dass ich die andere Strecke fahren soll, die nicht über den Highway führt... Nun gut, hab ich gemacht. Es war natürlich wieder extrem schwer zu verstehen, wo lang es geht, da die paar Brocken Englisch auch nicht immer so eindeutig sind. Irgendwie haben wir es dennoch zu der Kreuzung geschafft, der gegenüber eine der 2 Einfahrten zum Wohgebiet liegt, in dem wir wohnen. Ich hab innerlich aufgeatmet, da die Fahrt nun ein Ende zu haben schien. Ja, weit gefehlt, das größte Problem lag exakt vor meiner Nase. Der Opa bestand vehement darauf, dass ich gerade über die Kreuzung in die Einfahrt fahre. Entweder hat er bisher keine Straßenschilder gelesen oder die italienische Mentalität ist doch wesentlich anders... Direkt vor der Kreuzung wies mich ein Schild darauf hin, dass ich ausschließlich (!!) links abbiegen darf. Tja, jetz erklär das mal nem Italiener, der dich nich versteht und wahrscheinlich auch die Straßenschilder nich lesen kann. Grandios. Ich hab weiß nicht wie oft "I'm not allowed!" gesagt, hat nix gebracht. Er dachte wahrscheinlich, ich sei aufgeregt wegen des fließenden Verkehrs und der uneinsichtigen Kreuzung (man wird sich schon Gedanken darüber gemacht haben, warum Verkehrsteilnehmer NUR links abbiegen dürfen). Jedenfalls hat er immer "Calme" gesagt um mich zu beruhigen. Haha. Nun gut, irgendwie hab ichs geschafft, in diese blöde Einfahrt zu kommen und war dann zu Hause. Puh.
Es gab dann bald Mittag und ich war schon voller Vorfreude auf den Test für die Language School, der mich in eins der vielen Levels einstufen soll, die die da haben, damit ich den Kurs bekomme, der mir und meinen Leistungen gerecht wird. Ich wurde auch immer aufgeregter und hab mich schon geärgert, warum ich nicht vorher mal im Internet geschaut hab, was die da so von einem wissen wollen. Werden ja schon viele vor mir gemacht haben. Aber vorallem hab ich mich auch auf die freie Zeit in der Stadt gefreut, durch Läden bummeln, gucken, riechen, laufen. Halt nicht nur den ganzen Tag zu Hause sitzen. Gerade als ich zur Bushaltestelle gehen wollte, kommt Opa freudestrahlend mit den Autoschlüsseln in der Hand an. Ich soll fahren, er sitzt daneben. Schalalala. Okay, ich dachte, dass es schlimmer ja nicht werden könnte, dachte.
Eben diese Einfahrt, die ich vorhin schon erwähnt habe, wurde mir auch jetzt wieder zum Verhängnis für meine Nerven. Ich fahr ran und seh, dass der Verkehr sich so um 80% erhöht hat. Ein Auto nach dem andren, zwischendurch mal ein Fahrradfahrer... Ich hab mich schon auf langes Warten eingestellt (Francesca hat mich immer dafür gelobt, dass ich so ruhig und geduldig fahre) um aus der kleinen Straße auf die große zu fahren. Opa war da anderer Meinung. Warten? Fahren!! Er fing also an, die ganze Zeit auf mich einzureden, ich solle weiter vor auf die Straße fahren. Bitte erinnert euch, an die 80% Verkehrssteigerung auf einer vorher schon gut befahrenen Straße. Ich konnte einfach nicht weiter fahren, sonst wär ich in ein andres vorbeifahrendes hereingefahren. Doch Opa sah das nicht so. Lachend sagte er immer wieder "Ride, ride, ride". Ich bin fast verrückt geworden. Wohin denn nur??? Grrr... Ich hab gewartet. Ha! Und dann irgendwann kam die erlööösende Lücke auf beiden Straßenseiten und wir fuhren. Mein Gemüt war erhitzt und es verbesserte sich nicht, als ich sämtliche Anweisungen und Wegbeschreibungen 3 Mal hören musste, damit ichs verstand (ich kannte den Weg absolut nicht). Und die Automassen, zwischendurch mal ein Bus, schoben, drängelten, quetschten. Wäh! Irgendwann kam ich dann in Kingston an, erleichtert und happy, quetschte das große Auto und mich inklusive Beifahrer in ein enges Parkhaus, dass sich derzeit im Umbau befindet und wollte aussteigen. Ich war fest davon überzeugt, dass Opa gleich zurückfährt. Ha, denkste. Er stieg mit aus und sprach die ganze Zeit darüber, dass ich mehr drängeln sollte im Verkehr. Ich hab leidvoll an Uwe, meinen Fahrlehrer, gedacht und wünschte mir, er säße neben mir. Jedenfalls begleitete mich Opa. Ich hatte schon, ehrlich gesgat Angst, dass er noch die ganze Zeit wartet, bis ich mit meinem Test fertig bin (dauert immerhin eine Stunde). Meine gesamte Hoffung war dahin, mein Stadtbummel würde ins Wasser fallen und ich würde Punkt 7 wieder am Abendbrottisch sitzen... Grandios. Doch, oho, er ging nur mit bis zum College und lief dann wieder allein zurück. Eigentlich ja ne nette Geste. Doch irgendwie wollte es mich nicht so freuen. Aber hui- mein Stadtbummel rutschte wieder näher in die Realität. Ich hab dann erstmal einen Bankautomaten gesucht um das Geld abzuheben, das der Sprachkurs kostet. Meine Tasche wurde gleich viel schwerer, als ich die Moneten verstaut hatte- immerhin 300 Pfund kostet mich der Spaß. Aber ich dachte ja, ich hätte sie bald in Sicherheit und bezahlt.
Ich gehe also frohen Mutes ins College, zu der Stelle, wo ich mich melden sollte, eine nette Frau kommt, fragt was ich will, ich sags und sie guckt und sagt übersetzte "Ja, da bist du schon richtig hier, das findet aber erst am 10.09. statt, also der Mittwoch nächste Woche." Meine Kinnladen wollte nicht oben bleiben, meine Gesichtsfarbe änderte sich von "leichenblass" in "puderrot" und ich konnte erstmal gar nix sagen. Ich ging dann irgendwie raus, die Schwere meiner Tasche drückte mir auf der Schulter und ich lief geradezu in Richtung Stadt. Shoppen?? Sowas macht Spaß? Nicht in so einem Moment. Pah! Was soll das denn...?
Dennoch wollte ich nicht schon wieder nach Hause und alle (d.h. Oma, Opa, Clara) nur italienisch sprechen hören. Ich lief also ziellos rum, guckte mir doch einige Läden an, dennoch äußerst lustlos. Als ich dann nichts mehr zu tun wusste, fuhr ich mit dem heißgeliebten Bus wieder nach Hause, da merkt man zumindest den ganzen Verkehr um einen herum nicht so. Hm, ernüchternd. Dann eben nächste Woche. Alles wird gut. Irgendwie.
Mittlerweile hab ich mich wieder etwas beruhigt, könnte mich zwar immer noch für meine eigene Dummheit schlagen, hab mir aber fest vorgenommen, kein bisschen an meinem Fahrstil zu ändern. Ich fahre gut. Und wenn Opa gerne gegen fahrende Autos fährt, dann soll er das tun. In meinen Adern fließt kein italienisches Blut und ich halte an gewissen Grundsätzen wie "Rücksichtnahme" und "vorausschauendem Fahren" im Straßenverkehr fest. Und irgendwie krieg ich damit auch die nächsten Fahrten gut über die Bühne.
Jetzt freu ich mich erstmal auf morgen Abend. Da ist dieses Pub-Treffen mit andren Au-Pairs meiner Organisation und ich hoffe, ein paar nette Gesichter kennen zu lernen. Aber bevor ich fahre, schau ich sicherheitshalber noch mal aufs Datum, denk ich...
In diesem Sinne, gute Nacht :)
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