Ah toll! Mein Flug über Weihnachten nach Hause wurde heute gebucht, ich freu mich schon sooo drauf! Man mag es nicht glauben, aber ich vermisse sogar Rauda ein bisschen ;) Zwar werde ich vieles sehr verändert vorfinden (man bedenke nur, dass viele meiner Freunde nun gar nicht mehr zu Hause wohnen), vielleicht wurden auch mal wieder ein paar Häuserchen im Dorf abgerissen, aber so im Großen und Ganzen denke ich nicht, dass ich einen Schock kriegen werde (und damit es nicht dazu kommt, bin ich auch abhängig von euren Statusmeldungen von daheim, hehe). Ist ja dann aber auch "nur" ein halbes Jahr vergangen... Ach Mensch, ich hab ja noch sooo viel Zeit mir Gedanken darüber zu machen...
Ich sollte mich nicht in der Zukunft verlieren, deswegen werde ich mal lieber wieder ein bisschen vom Hier und Jetzt berichten. Clara macht Fortschritte, sie hat gestern Nacht das erste Mal ohne Windel geschlafen. Und die Toilettengänge klappen auch mittlerweile alleine, nur für die Spülung (an die ich mich immer noch nicht gewöhnt habe), brauch sie verständlicherweise noch Hilfe. Hoffen wir, dass es weiterhin gut geht!
Die Sprachschule war heute mal wieder, wie jeden Mittwoch, extrem sinnlos. Die Lehrerin ist ziemlich langsam und behandelt uns wie kleine Kinder. Und dabei sollte man bedenken, dass ich mit fast 19 die Jüngste im Bunde bin. Als es neulich um das Thema Heiraten ging und wir unsere Vorstellungen davon preis geben sollten, habe ich mich gekonnt zurück gehalten. Ich mache mir doch mit 18 Jahren noch keine Gedanken über Eheschließung und meine Flitterwochen. Nein, danke. So, nur etwas höflicher, hab ich das dann auch gesagt und es ging ein Raunen durch den Raum als sie mein Alter erfuhren, wollte wohl keiner so richtig glauben. Na ja, ich durfte mich dann aus der Diskussion heraushalten und war sehr glücklich damit. Die meisten der Schüler sind in den Mitt- bzw. Endzwanzigern, die beiden Ältesten sind 36 und 50 Jahre alt. Und dann darf man im (Mittwochs-) Sprachschulunterricht noch kleine, bunte Bildchen ordnen und beschreiben- juchee. Maria und ich haben mal wieder auf unseren Stühlen gesessen und die Welt an uns vorbei ziehen lassen. Spraßeshalber haben wir beschlossen, den nächsten Mittwoch zu schwänzen, wenn wir beide im nächsten Geschriebenen eine 5 bekommen (das wird dann allerdings von der anderen, viel kompetenteren Lehrerin zensiert). Also, nicht wundern. Das Notensystem ist hier etwas anders: es gibt 5 Zensuren, dabei ist 0 das Schlechteste und 5 das Beste. Vielleicht nennt man es auch Punkte, keine Ahnung. Warum nicht das Benotungssystem mit A - E (A entspricht einer deutschen Eins, E einer deutschen Fünf) benutzt wird, ist mir noch ein Rätsel. Jedenfalls hatte ich in den letzten Schreibaufgaben immer nur 4en, Maria 3en. Deswegen werden wir jetzt sicher keine 5 bekommen... Also nächste Woche wieder durch. Wir haben's ja auch schließlich bezahlt und so... (Motivation! Motivation!)
Nach der Sprachschule bin ich wieder nach Hause gefahren, habe mir einen Thunfischsalat gemacht (jiammie!) und mich dann an den Hausputz begeben. Die Berge Wäsche, die sich seit Montag angesammelt haben (immerhin 4 Bettbezugsets und noch das andere Übliche) wurden noch bewältigt, wogegen ich dann wieder in meiner nächsten Bügelsession ankämpfen werde.
Als ich Clara abholen gefahren bin, hab ich mir wieder die gleiche Frage wie jeden Tag gestellt. Ich verstehe nicht, wie die Mütter täglich 15 Uhr einfach vor der Schule stehen können um ihre Kinder abzuholen. Das sind bestimmt nicht alles Hausfrauen, die keinen Beruf ausüben. Vielleicht können sie ja die Mittagspause verschieben oder... ach ich weiß es einfach nicht! Aber was sollen sie denn machen?! Nach Hause laufen können die Kinder definitiv nicht. Man kann das ja hier nicht mit der Grundschule Crossen oder Eisenberg vergleichen. Mein Gastvater hat mal gesagt, als es darum ging, dass Guilia mit 11 Jahren noch zu jung ist um mit dem Bus zur Schule zu fahren: "Das geht nicht! Man müsste jeden Tag Angst haben, dass sie nicht gesund oder lebend wiederkommt." Da geht es nicht nur um Verbrecher, wobei das ja schon eine Rolle spielt. Es ist aber vielmehr die Selbstständigkeit, die den Kindern hier fehlt. Und warum wird die nicht antrainiert? Weil man zu sehr Angst hat, dass sie alleine auf die vielbefahrenen Straße rennen, dass sie im Gewirr der vielen Menschen sich nicht zurecht finden und natürlich, dass sie mit Fremden Menschen mitgehen, wo wieder die Verbrecher ins Spiel kommen. In einem Randbezirk von London ist die Rate der Straftaten nun mal um ein Vielfaches höher als in einem kleinen thüringschen Dorf. Den Service von Schulbussen die direkt vor dem Haus halten scheint es hier nur an einigen Schulen zu geben. Ist eben irgendwo ein Teufelskreis und im Endeffekt stehen dann eben die Mütter Punkt 3 vor der Schule um die Kinder abzuholen. Aber gut, meine Gastfamilie hat das Problem ja gelöst.
Dann war heute wieder Badetag, ging dieses Mal aber stressfreier als letzte Woche. Dann hat der Vater Fajitas gemacht, ich hab zugeschaut für's nächste Mal. Das sind so mexikanische Wraps, ziemlich lecker. Jetzt werde ich mich noch ein bisschen auf Weihnachten freuen und dann wohl bald schlafen gehen.
1 Kommentar:
Hey ho Alex : )
Das ist ja toll, dass du Weihnachten kommst! Wieviele Tage bleibst du denn und von wann bis wann bist du genau da?
Und was passiert eigentlich zu deinem Geburtstag? : )
Einen wunderschönen Abend wünsch ich dir - geniaß das Wochenende!
lisa
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