Dienstag, 18. November 2008

4 Tage volles Programm

Oh man, ich hab sooo viel zu erzählen und komme tatsächlich erst jetzt dazu!

Beginnen wir doch gleich mal mit Samstag, ich sagte euch ja, dass wir nach London wollten. Ich lief also gemütlich zur nächsten Zugstation und kam nach fast genau 30 Minuten dort an- gut geschätzt würde ich mal meinen ;) Hab mir auf dem Weg endlich mal die Häuser angeschaut, an denen ich sonst nur immer mit durchschnittlich 30 MPH vorbeifahre und hab mich sehr über die Individualität der Reihenhäuser gefreut. Und das ist jetzt kein Witz! Das war echt so herrlich zu sehen, wie unterschiedlich die genutzt werden und gestaltet sind. Man konnte ja ein wenig durch die Fensterscheiben schauen und ich hab das natürlich prompt genutzt. Es gibt eben fast nichts schöneres, als einen alten Lehnstuhl durch ein Fenster eines britischen Reihenhauses zu sehen, nebendem eine große, leuchtende, alte Stehlampe ist und man sich die Bücherregale nur noch dazudenken muss um es urig und gemütlich zu finden! Es sind eben die kleinen Dinge im Leben...
Als Maria und ich uns dann getroffen hatten, ging es natürlich weiter mit den Freuden des Lebens. Wir haben uns erstmal gestärkt und sind dann sofort auf den Weg zum Imperial War Museum (verzeiht mir an der Stelle meine Unwissenheit und dadurch entstandene Schreibfehler im letzten Eintrag- man kann ja nicht alles wissen^^). Außen auf dem Gelände steht ein kleines Stück der Berliner Mauer, was ich sehr toll fand zu sehen. Die Eingangshalle ist wohl eher für die männliche Bevölkerung gedacht, denn es sind viele Panzer, Flugzeuge und Fahrzeuge aus längst vergangenen Zeiten und Kriegen ausgestellt. Eine echte Männerdomäne eben, wenn man das so sagen kann. Uns Mädels hat das ganze eher wenig interessiert und wir sind weiter in die Holocaust Austellung. Die war der absoolute Hammer. Was man sehen konnte, waren eben Reden Hitlers und Göbbels im Originalton mit englischen Untertiteln. Dazu lagen auf den Gängen in Vitrinen Zeitzeugendokumente und Erklärungstafeln, die die Hintergründe genauer beleuchteten. Es ist einfach wahnsinn, da hört man die Reden dieser Nationalsozialistischen Herrscher schon zum, übertrieben gesagt, hundertsten Mal und sie gehen einem immer noch durch Mark und Bein (das ist nicht übertrieben!). Während der gesamten Ausstellung wollte meine Gänsehaut (auf Englisch übrigens "goosebumbs", ich liebe dieses Wort!) gar nicht so richtig verschwinden und ich war einfach nur platt. Maria ging es ähnlich und unser Energielevel war auf einem ziemlich niedrigen Niveau als wir nach ca. 2 Stunden daraus kamen. Wir stellten dann auch fest, dass wir beide ein ähnliches Gefühl hatten, während wir durch die Gänge liefen und über das Gesehene sprachen: man hatte ständige abwertende Gesichter im Rücken von Menschen, die wahrscheinlich verstanden, dass wir Deutsch redeten. Wie absurd... aber bei so einer Ausstellung wohl nicht anders zu erwarten.
Unser nächster Weg führte uns dann wieder auf die altbekannte Oxford Street die schon wundervoll weihnachtlich geschmückt war. Ebenso weihnachtlich, aber weniger besinnlich waren die Menschenmassen, die sich auf dem Bürgersteig aneinander vorbei drückten. Oh, und ich dachte, es waren sonst viele Menschen! Pustekuchen! Man konnte sich jetzt kaum noch bewegen und so beschlossen wir, uns schnell etwas zum Energietanken zu besorgen und dann von dort zu verschwinden. Gesagt, getan und so landeten wir auf dem Weg zum Piccadilly Circus mal wieder in einer Straße, bei der sich die Designerläden aneinander reihten. Auf dem Bürgersteig kamen uns auch der ein oder andere Millionär entgegen, dem man es auf 5 km Entfernung ansah, dass er Geld in der Tasche (und wohl auch auf dem schweizer Bankkonto) hatte. Aber warum auch nicht, London lebt eben ;)

Wir beschlossen dann, nicht mehr ewig dazubleiben und fuhren dann schon recht zeitig wieder in Richtung temporäres Zuhause. Im Zug hatten wir noch eine Begegnung "zweiter Art". Wir saßen uns gegenüber in einer Sitzgruppe für 4 Leute, in der parallelen Sitzgruppe von uns saßen 2 Männer sich ebenfalls gegenüber. Irgendwie kam es uns nach einiger Zeit ziemlich so vor, als würden sie mit ihren Handys Bilder von uns machen- geht ja recht unauffällig mit den Teilen. Nur... wir sind ja nicht blöd. Na ja, wir haben uns erstmal nicht weiter darum gekümmert, bis ein neuer Fahrgast an der nächsten Station einstieg und die Möglichkeit hatte, zwischen massenhaft freien Plätzen im kompletten Wagon zu wählen. Und wo setzte er sich hin? Direkt auf den Sitz neben Maria. Na dann... Prost. Passt auch, denn er war schon extrem alkoholisiert, auch daran erkennbar, dass er uns wohl 2-3 Mal eine Frage mehrmals stellte. Und dann schien eine Art Wettkampf zwischen den 2 Typen in den Sitzen neben uns und dem neuen Typ bei uns zu entstehen, denn jeder meinte vom anderen, dass man sich mit ihm nicht abgeben müsste. Was bitte soll das denn? Ich konnt mir das Lachen nicht verkneifen, während Maria so tapfer war, sich ihrem Schicksal zu ergeben und auf das aufgedrängte Gespräch ihres Sitznachbarn einzugehen. In Anbetracht der Tatsache, dass Maria bald mit 3 alkoholisierten Männern auf engem Raum allein sitzen sollte, machte mir etwas Angst, als ich die Zugstation erreichte, wo ich aussteigen musste. Aber es waren noch andere Menschen im Wagon und sie ist ja auch nicht auf den Kopf gefallen ;) Also erzählte sie mir dann später, dass sie herausgefunden hat, dass ausgerechnet dieser Typ ca. 2 Häuser neben ihr wohnt, zusammen mit Frau und Baby. Na toll, so viel zum Temperament britischer Männer in Beziehungen...

Sonntag sollte dann etwas gelassener ablaufen. Wir trafen uns bei Starbucks, tranken Kaffee und quatschen über Gott und die Welt. Direkt vor dem Café wurde ein "German Market" aufgebaut, ein deutscher Weihnachtsmarkt. Im Internet wurde es beworben mit Glühwein aus Bechern, gebrannten Mandeln und deutschen Bratwürsten, dennoch war ich sehr skeptisch als wir hinliefen. Aber was entdeckten wir? Schilder mit primär deutscher Schrift, nur unten stand klein in Englisch die Übersetzung. Der Glühwein wurde in weihnachtsmarktüblichen Stiefeltassen serviert, auf denen "Frohes Fest" stand und die Kellner waren auch zu 90% waschechte Deutsche. Als wir gerade so dastanden und unseren Glühwein tranken, hörte ich am Stand neben uns einen Mann feinstes Sächsisch sprechen und nahm die Gelegenheit war, ihn nach seiner Herkunft zu fragen (man sollte vielleicht erwähnen, dass ich die Hälfte des Glühweines schon intus hatte). Jedenfalls stellte sich heraus, dass der gute Herr aus Leipzig kam und sich ein bisschen ertappt fühlte, als wir auf den Dialekt zu sprechen kamen. ;) Ich sag nur: "Ä Tännschn, Please!" Und zu meiner größten Überraschung schmeckte die angepriesene Thüringer Rostbratwurst auch so! Zwar sah sie wirklich anders aus, aber sie war seeehr tasty! Allerdings kam ich mir schon etwas doof vor, diese "Roster" auf Englisch zu bestellen, zumal sie auf dem Schild in Deutsch ausgepriesen war. Na ja ;) Das sind eben die Ecken und Kanten.
Eine Begegnung der dritten Art blieb uns an dem Tag glücklicherweise erspart und so machten wir uns auch schon wieder gegen 6 Uhr auf den Rückweg, um ausgeruht für die kommende Woche zu sein.

Montag verlief Vormittags dann auch vollkommen nach Plan, ich hab die gesamte untere Etage grundgereinigt und dann Clara von der Schule abgeholt. Da rief mich Guilia an, dass sie schon 1 1/2 Stunden früher abgeholt werden möchte, da Sport ausfällt. Kein Problem dachte ich und so fuhren wir zur Schule. Wir waren überpünktlich, was Clara jedoch gar nicht mehr mitbekam, der Schlaf hatte sie übermannt. Ich wartete also bis 4, die Zeit, die ich mit der Großen ausgemacht hatte. Allerdings lies sich kein vertrautes Gesicht blicken und auch eine Viertelstunde später war nix von ihr zu sehen, die anderen Schülerinnen sind auch schon außer Sichtweite gewesen. Ich hab langsam angefangen mir Sorgen zu machen, bemerkte in dem Moment allerdings aus, dass ich mein Handy vergessen hatte. Schöner Mist! Also blieb mir nichts anderes übrig, als zum Sportplatz zu fahren und da nachzufragen. Nach langem Suchen fand ich einige ihrer Klassenkameradinnen, von denen sich eine bereiterklärte, sie anzurufen. Sehr nett! Und was sagte Guilia? Sie stehe vor der Schule. Also, retoure, zurückgefahren. Als ich dann das Auto abgestellt hatte, bin ich fix rausgerannt und hab sich dann erstmal nur gedrückt. Man, ich hatte mir solche Sorgen gemacht und war einfach nur glücklich sie zu sehen. Ihre Lehrerin hatte sie wohl 10 Minuten später erst herausgelassen. Ach, ich war so froh! Wir haben dann die ganze Rückfahrt nur gelacht und uns gefreut, dass es ein gutes Ende hatte :)
Abends sollte ich dann Babysitten, was verdammt gut lief. Ich hab Clara eine Pippi Langstrumpf Geschichte vorgelesen, die Astrid Lindgren für eine schwedische Zeitung zum Kindertag schrieb und die ich selbst noch gar nicht kannte. Als ich fertig war, Clara und Guilia im Bett lagen und ich gerade zur Tür herausgehen wollte, stand Clara plötzlich auf, kam aus dem Bett auf mich zugerannt und drückte mich. Oh man, ich bin fast dahingeschmolzen von der Geste! Das war ja sooo süß :) Ich hab sie dann geknuddelt und wieder zurück ins Bett getragen. Sowieso trag ich sie gerne, sie ist noch so schön leicht :)
Hach, dann hatte ich Zeit für mich, hab noch ein bisschen im Internet rumgesurft und getippt und hab dann ein neues Buch angefangen.
Ach genau, das hab ich vorhin vergessen zu schreiben: Samstag hab ich (zu viel) Geld ausgegeben, u.a. auch für 3 Bücher (ein Angebot "3 for 2") aus dem Buchladen, der das englische Königshaus beliefert. Wuhuu. Aber... naja.. das hab ich auch erst nach dem Kauf erfahren :D Jedenfalls hab ich jetzt viel neuen Lesestoff und freue mich schon darauf!

Ja, und dann heute. Heute war... verdammt durchwachsen. Ich stand auf, war bester Laune und hab das Frühstück gemacht, meine Haare gewaschen, geföhnt, ... Was man eben so morgens macht. Die Mutter der Kiddies hatte heute morgen ein Elterngespräch mit Claras Lehrerin und war deswegen noch etwas länger da, deswegen hat sie Claras Umziehen übernommen.
Aus irgendwelchen Gründen scheine ich gestern Nachmittag nicht mitbekommen zu haben, dass Claras Schuluniform dreckig ist. Na ja, die Mama hats natürlich gesehen und wollte logischer Weise ein frisches. Das hatte ich aber gestern nicht mehr geschafft zu bügeln, also musste das auch noch gemacht werden. Verdammt doofe Situation, da ich 1. den Dreck hätte sehen müssen und 2. wir in Eile waren und sich dadurch alles verzögert hat. Und Eile erzeugt bekanntlich erhitzte Gemüter was dazu führte, dass man nicht so einfach über Fehler anderer hinwegsehen kann. Na ja, so wurde mir eben völlig zu Recht klar gemacht, dass sie es nicht schafft, jeden meiner Arbeitsschritte zu kontrollieren und festzustellen, ob ich alles richtig mache, obwohl es ja scheinbar von Nöten ist. So führte eines zum anderen und ich kam mir dann, als ich irgendwann wieder alleine war vor, als wäre meine ganze Arbeit die ich hier mache, einfach nur Schrott. Mir ist richtig schlecht geworden und mein Magen hat rebelliert. Ich hatte echt Angst, dass ich gekündigt werde, weil ich selbst auch weiß, dass sowas nicht passieren kann. Das Mädchen wäre dreckig zur Schule gegangen und ich hätte es nicht mal mitbekommen. Wie sieht das denn aus? Richtig, wie assozial. Verdammt. Na ja, ich konnte mich dann aufraffen zur Sprachschule zu gehen und die frische Luft auf dem Weg dorthin wirkte halbe Wunder. Zumindest war mir nicht mehr übel, als ich ankam. Und dann waren da auch Maria und Theresia, die beide sehr liebe, nette und offene Ohren hatten.
Ich bin dann nach Hause und musste mich dann auch regelrecht zwingen was zu Essen, da sich die Situation in meiner Magengegend wieder verschlechtert hatte. Sowieso hab ich in letzter Zeit wieder öfter Krämpfe- blöde Magensäure! Dann hab ich mich an das Bügeln und Putzen gemacht und anschließend Clara abgeholt. Sie hatte wieder gute Laune, was mich auch aufgebaut hat und Guilia ebenso.
Als dann die Mutter wieder nach Hause kam, hab ich mich auch direkt nochmal entschuldigt und sie meinte, dass alles okay ist, solang ich eben ein bisschen mehr Acht gebe auf solche Dinge. Scheinbar hat man mir angesehen, dass ich ziemlich tief drin war in der Sache und sie sagte dann, ich solle mich wirklich entspannen und es ist keine Welt untergegangen. Hach, da schien die Sonne wieder :) Man hat eben nicht gerne das Gefühl, komplett versagt zu haben. Aber es wird alles. Irgendwie. Am Ende.
:)

Ich hoffe ihr konntet euch durch das Buchstabengewirr quälen. Ich weiß, solche langen Texte sind nicht sonderlich toll zu lesen, aber ich wollte echt alles sagen, hatte eben nur bisher keine Zeit dazu.

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